Mirjam's Digitalgeschichte

Knapp kein Digital Native

 

Ich bin (knapp) kein Digital Native. In den 90ern hatten wir zuhause den ersten Computer. Vor allem die vielen lustigen Spiele wie Moorhuhn (morbide, ich weiss) und Anwendertools wie Paint und Programme zur Bildbearbeitung hatten es mir angetan. In der Schule lernten wir im Fach Informatik nur, im 10-Finger-System schnell und fehlerfrei zu tippen – bei jeder danebengetippter Taste ging eine für alle unüberhörbare Fehlermeldung los.

Für mich war der Umgang mit dem Computer und auch mit dem Handy schon immer selbstverständlich. Im Gegensatz zu einigen Mitstudenten oder Lehrpersonen während dem Studium, wie ich damals erstaunt feststellen musste: Nicht alle hatten E-Mail oder sie speicherten ihre Daten nur physisch oder lokal. Auf nicht funktionierende oder zu langsame Technik reagiere ich sehr ungeduldig. Was gibt es Schlimmeres als langsames Internet? Lieber erst gar keine Verbindung.

Technik macht mich fordernd: Ich bin nicht bereit, mich auf ein mühsames Interface einzulassen – die Technik soll sich mir anpassen, intuitiv und effizient sein. Schlechte User-Interfaces haben mich auch schon dazu gebracht, mit meinem Computer zu diskutieren; allerdings ohne Erfolg. Das Dialogfenster hat weiterhin nur eine Option, und die ist nicht hilfreich, aber danke der Nachfrage.

Leider kann man sich auf der Arbeit die Tools nicht immer selbst aussuchen. Und so schlägt man sich mit Programmen herum, die genauso kompliziert sind wie die 23 Knöpfe und Einstellungsmöglichkeiten eines Videorecorders. Ich wollte doch schon damals nur abspielen, pausieren und stoppen, aber sicher keine 439 Seiten lange, schlecht übersetzte Bedienungsanleitung lesen.

Ich glaube, dass intuitivere Technik letztendlich auch demokratischer ist: Jeder kann einen Touchscreen bedienen, ob Oma oder Kleinkind. Ich hoffe, dass echte Digitalisierung (also viel mehr als nur das elektronische Verfügbarmachen von analogen Inhalten) die Arbeit und damit das Zusammenarbeiten von Menschen in Zukunft spürbar erleichtert. Prozesse sollen einfacher, schneller und intuitiver werden. Das bedingt aber auch auf Unternehmensseite den Willen und den Mut zur Veränderung. Heute ist man als Kunde oft nicht mehr bereit, sich mit mühsamen Webshops herumzuschlagen, um dann endlich das gewünschte Produkt kaufen zu dürfen. Neue Firmen mit dem richtigen (einfacheren) Angebot können ehemals grosse Unternehmen im Handumdrehen ins Straucheln bringen.

 

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